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Schwerwiegende Vorfälle am Standort Stahnsdorf – Bedrohungen gegen Führungskräfte und Geschäftsführung sowie Wahrung der professionellen Distanz

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

aus aktuellem und sehr ernstem Anlass sehe ich mich als Geschäftsführer veranlasst, Sie über schwerwiegende Vorfälle an unserem Standort Stahnsdorf zu informieren und zugleich einige grundlegende Erwartungen an die Zusammenarbeit mit unseren Patientinnen und Patienten unmissverständlich klarzustellen.

1. Hintergrund der Vorfälle

Die Geschäftsführung und die zuständige Pflegedienstleitung haben vor wenigen Tagen entschieden, eine Mitarbeiterin von unserem Standort Stahnsdorf an einen anderen Einsatzort zu versetzen.

Hintergrund dieser Entscheidung war, dass nach Einschätzung der Geschäftsführung die erforderliche professionelle Distanz zwischen der Mitarbeiterin und einem Patienten nicht mehr ausreichend gewahrt war. Diese Entscheidung wurde ausschließlich aus betrieblichen und fachlichen Gründen getroffen und liegt in der Verantwortung der Geschäftsführung.

Im Anschluss an diese Personalentscheidung kam es innerhalb kürzester Zeit zu einer massiven Eskalation durch einen betroffenen Klienten.

2. Massive Bedrohungen gegen Führungskräfte und Geschäftsführung

Innerhalb von weniger als 24 Stunden erhielten die zuständige Pflegedienstleitung, die Standortleitung Stahnsdorf sowie die Geschäftsführung schwerwiegende Bedrohungen über WhatsApp, E-Mail, Sprachnachrichten und telefonische Mitteilungen.

Hierbei wurden unter anderem ausdrückliche Todesdrohungen ausgesprochen. Der Klient kündigte nach den uns vorliegenden Nachrichten an, die betroffenen Personen umzubringen beziehungsweise persönlich und beruflich fertigzumachen.

Besonders erschütternd ist, dass sich einzelne Äußerungen auch auf die Kinder der Geschäftsführung bezogen. Auf die Wiedergabe dieser Inhalte verzichte ich an dieser Stelle bewusst.

Darüber hinaus wurden private Telefonnummern der betroffenen Führungskräfte und der Geschäftsführung öffentlich auf Facebook verbreitet, unter anderem verbunden mit folgender Äußerung:

„Das größte Gesindel dieser Welt – macht was draus.“

Zusätzlich wurden Bildmontagen beziehungsweise Comics mit Darstellungen unserer Führungskräfte angefertigt und mit schwerwiegenden beleidigenden und herabwürdigenden Äußerungen auf öffentlich zugänglichen Internetseiten veröffentlicht. Diese Vorkommnisse stellen eine schwerwiegende Eskalation dar, die weit über jede Form einer sachlichen Auseinandersetzung hinausgeht.

3. Konsequenzen aus diesen Vorfällen

Die Geschäftsführung hat unverzüglich reagiert, die Polizei eingeschaltet und Strafanzeige erstattet. Sämtliche uns vorliegenden Nachrichten, Sprachnachrichten und Veröffentlichungen wurden zur Beweissicherung dokumentiert.

Darüber hinaus haben wir entschieden, die Versorgung des Klienten durch unser Unternehmen mit sofortiger Wirkung einzustellen. Die hierfür erforderlichen weiteren Schritte werden mit den zuständigen Stellen und unserem anwaltlichen Beistand abgestimmt, um die rechtlichen und versorgungsbezogenen Verpflichtungen zu klären.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen: Bedrohungen, Einschüchterungen, persönliche Angriffe oder Eingriffe in die Privatsphäre unserer Mitarbeitenden, Führungskräfte und deren Familien werden innerhalb des WVV-Gesundheitsnetzwerks unter keinen Umständen toleriert. Dies gilt unabhängig davon, ob sich solche Handlungen gegen Mitarbeitende in der direkten Versorgung, Leitungskräfte oder Mitglieder der Geschäftsführung richten.

Unsere Verantwortung als Arbeitgeber besteht auch darin, unsere Mitarbeitenden vor Übergriffen, Bedrohungen und persönlichen Gefährdungen zu schützen.

4. Professionelle Distanz und Schutz der Privatsphäre

Die aktuellen Ereignisse haben deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass alle Mitarbeitenden im Umgang mit Patientinnen und Patienten sowie Klientinnen und Klienten jederzeit die notwendige professionelle Distanz wahren.

Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall mussten wir feststellen, dass persönliche Informationen aus dem Privatleben der Geschäftsführung und weiterer Führungskräfte offenbar über Mitarbeitende an den Patienten gelangt sind. Ein solcher Umgang mit privaten und vertraulichen Informationen ist für mich in keiner Weise akzeptabel.

Ich erwarte deshalb von allen Mitarbeitenden des WVV-Gesundheitsnetzwerks die konsequente Einhaltung folgender Grundsätze:

Professionelle Distanz: Die Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Patientinnen beziehungsweise Patienten muss jederzeit fachlich und professionell gestaltet sein. Private Freundschaften und persönliche Beziehungen, die zu Interessenkonflikten oder Abhängigkeiten führen können, sind zu vermeiden und gegebenenfalls der zuständigen Leitung offenzulegen.

Private Kontaktdaten: Der Austausch privater Telefonnummern oder die Kontaktaufnahme über private soziale Netzwerke mit Patientinnen und Patienten ist ohne dienstliche Notwendigkeit beziehungsweise entsprechende Genehmigung zu unterlassen.

Schutz der Privatsphäre: Informationen über das Privatleben, die Familien, Wohnorte oder persönlichen Verhältnisse anderer Mitarbeitender, Führungskräfte oder der Geschäftsführung dürfen nicht an Patientinnen, Patienten oder Dritte weitergegeben werden.

Vertraulichkeit betrieblicher Informationen: Interne Personalentscheidungen, Gespräche, organisatorische Maßnahmen oder sonstige vertrauliche Unternehmensinformationen gehören nicht in persönliche Gespräche mit Patientinnen und Patienten.

Loyalität und respektvoller Umgang: Persönliche Meinungsverschiedenheiten oder Unzufriedenheit mit internen Entscheidungen rechtfertigen niemals die Weitergabe vertraulicher Informationen oder die Einbeziehung von Patientinnen und Patienten in innerbetriebliche Konflikte.

Ich werde künftig konsequent darauf achten, dass diese Grundsätze eingehalten werden. Verstöße werden wir im Einzelfall prüfen und erforderlichenfalls arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, einen menschlichen, herzlichen und vertrauensvollen Umgang mit unseren Patientinnen und Patienten einzuschränken. Im Gegenteil: Eine gute Versorgung lebt von Vertrauen, Empathie und gegenseitigem Respekt. Dieses Vertrauen darf jedoch niemals dazu führen, dass professionelle Grenzen überschritten, betriebliche Entscheidungen unterlaufen oder die Privatsphäre anderer Menschen gefährdet werden.

5. Abschließende Worte der Geschäftsführung

Ich möchte Ihnen auch persönlich sagen, dass die Ereignisse der vergangenen Tage eine Grenze überschritten haben, die ich weder als Geschäftsführer noch als Privatperson hinnehmen werde. Wenn Führungskräfte aufgrund einer betrieblichen Personalentscheidung mit dem Tod bedroht werden, private Telefonnummern im Internet veröffentlicht werden und selbst Familienangehörige und Kinder in Bedrohungen einbezogen werden, hat dies nichts mehr mit einer sachlichen Auseinandersetzung zu tun.

Wir tragen täglich Verantwortung für schwerstkranke und pflegebedürftige Menschen. Gleichzeitig haben wir aber auch Verantwortung für die Sicherheit, die Würde und die persönliche Unversehrtheit unserer rund 600 Mitarbeitenden. Niemand in unserem Unternehmen muss Bedrohungen, Einschüchterungen oder persönliche Übergriffe als Teil seiner beruflichen Tätigkeit hinnehmen.

Ich erwarte, dass alle Mitarbeitenden diese Haltung mittragen und durch ein professionelles, verantwortungsvolles und respektvolles Verhalten unterstützen.

Sollten Sie selbst Bedrohungen erleben, entsprechende Veröffentlichungen feststellen oder Kenntnis von vergleichbaren Vorfällen erhalten, informieren Sie bitte unverzüglich Ihre zuständige Leitung oder direkt die Geschäftsführung.

Über den weiteren Verlauf und gegebenenfalls erforderliche zusätzliche Maßnahmen werden wir Sie informieren, soweit dies rechtlich möglich und betrieblich erforderlich ist.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Verständnis und Ihre tägliche engagierte Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen

Thorsten Wierzoch

Geschäftsführer

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